5 Fragen an: Das Rakshazar-Projekt

5 Fragen an das Rakshazar Projekt
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In unserer Rubrik5 Fragen an… soll kleinen und großen DSA Fanprojekten die Gelegenheit gegeben werden, sich in unregelmäßigen Abständen vorzustellen. Heute stellt sich Raphael Brack, alias Thorus vom Rakshazar-Projekt den 5 Fragen.

Du hast ein DSA Projekt, das du im Rahmen der ‘5 Fragen an..’ vorstellen möchtest? Schreib uns an!


Worum geht es beim Rakshazar-Projekt und wie hat alles angefangen?

Das sind quasi zwei Fragen, daher muss ich etwas ausholen. 😉

Worum geht es bei Rakshazar? Nun, die ersten Überlegungen fanden im Jahr 2006 (damals noch im alten Fanpro-Forum) statt, als einige DSA-Fans darüber nachdachten, wie es wohl hinter dem Ehernen Schwert, im sogenannten Riesland, aussehen würde. Schnell kippte die reine Träumerei und wurde durch praktische Fragen ersetzt: „Was fehlt noch, im guten alten Aventurien?“ Und: „Wie könnte man das (sowieso schon überladene) Aventurien sinnvoll ergänzen, ohne bestehende Settings aufzuwärmen oder künstlich aufzublasen?“

Tatsächlich wurden wir fündig! Es gab nicht nur Settings, sondern ganze Genres, die in Aventurien entweder nicht vorhanden waren oder ziemlich wenig Liebe seitens der Autorenriege erfuhren: Abenteuer im Geiste der Odyssee, der Ilias, der Perserkriege, der Welt des Alten Testaments, morgenländische Seefahrt- und Piratenabenteuer, zentralafrikanische und südamerikanische Hochkulturen, Reit-Dinosaurier usw.

Viele dieser Settings sind traditionell mit dem Genre der Sword&Sorcery verwandt, so dass wir zunächst den Ruf eines „Conan-Addons für DSA“ hatten (und auch pflegten). Über die Jahre relativierte sich diese Einseitigkeit etwas, als wir unzählige neue, spannende Kulturen ersannen und sich das Barbarensetting als eines unter vielen herauskristallisierte.

Zusammengefasst zeichnet sich Rakshazar durch drei Dinge aus:

1. Rakshazar ist der dreckige und urtümliche Schwesterkontinent Aventuriens, dessen Bewohner größtenteils in stein- und bronzezeitlichen Gesellschaften leben. Rakshazar ist am Reißbrett entstanden und wurde aufwendig und fachlich einwandfrei recherchiert und verfügt daher über eine hohe innerweltliche Glaubwürdigkeit und Authentizität.

2. Rakshazar bietet unendlich viel Platz zwischen den Kulturen, damit Spielrunden eigene Orte oder sogar ganze Reiche erschaffen können, ohne von einem Metaplot oder fortlaufenden Kanon eingegrenzt zu werden.

3. Rakshazar ist inhaltlich voll kompatibel zu sämtlichen anderen DSA-Veröffentlichungen. Alles was jemals über das Riesland offiziell gesagt oder geschrieben wurde, haben wir recherchiert, dokumentiert und in unser Setting implementiert.

Wie letztlich alles begann? Der besagte Forenthread platzte bald aus allen Nähten, so dass ein Forum gegründet wurde. Die „Derischen Sphären“. Hier wurden zunächst auch weitere DSA-Nebenprojekte besprochen. Beispielsweise erlebte die Tharun-Neuauflage von Arne Gniech hier ihren Urknall. Und auch eine Uthuria-Ausarbeitung wurde gestartet, dann aber von der offiziellen Variante überholt. Später spezialisierten wir uns und fokussierten unsere kreativen Kräfte auf das Riesland, das mittlerweile auch den neuen Projektnamen mitbrachte: In offiziellen Quellen fanden wir urtulamidische Hinweise auf das Reich „Rakshazastan“. So einen Zungenbrecher konnten wir aber schlecht vermarkten, nicht mal als Gratis-Fanware. Also kam unser Mitglied Manuel „Yanken“ Vögele auf die Kurzform Rakshazar. Manuel war es übrigens auch, der die offizielle Karte zeichnete. Er ist somit zwar nicht der Vater des Settings (das waren wir alle), aber definitiv die Hebamme. 😉

Wie war die Zusammenarbeit mit Ulisses und wie ist es dazu gekommen?

Ulisses hat mehrfach gezeigt, dass Fans, die kreativen und unkonventionellen Content liefern, zunächst mal nicht auf geschlossene Ohren stoßen, sondern auf grundsätzliches Interesse. Ähnlich wie (sehr viel später) Mirko Bader, der mit dem Fanprojekt HeXXen 1730 bei Ulisses auf Begeisterung stieß, war es damals vor allem unser Gründungsmitglied Martin „Talkim“ Bettenworth, der mit den Ulisses-Leutchen auf Cons ins Gespräch kam. Hervorheben müssen wir hier einerseits Mario Truant, der damals das Riesland sehr unterstützt hat; aber auch Markus Plötz schien immer eine besondere Schwäche für Rakshazar zu haben. Markus hat der Fangemeinde beispielsweise das „Buch der Klingen“ (BdK) beschert, unser Arsenal, das er unbedingt realisiert sehen wollte.

Durch Produkte wie das BdK wurden sogar kleinere Lücken in der offiziellen DSA-Publizistik geschlossen, denn es wurde zu einem absoluten Standardwerk für steinzeitliche bis bronzezeitliche Waffen und Ausrüstung. Auch soll hier Daniel Simon Richter Erwähnung finden, der lange Zeit unser Ansprechpartner war. Ich selbst pflegte den Kontakt zu André Wiesler, der unlängst leider viel zu früh von uns gegangen ist. André war kein „Festlandbarbar“, wie er einmal sagte und damit auch kein euphorischer Rakshazar-Fan, aber wiederum völlig begeistert vom humorigen „König der Piraten“ und der Idee eines morgenländischen Piratensettings.

Ich bin heute herzensfroh, dass er vor Jahren die Rohfassung des bislang nicht-publizierten Nachfolgers von uns bekommen und auch gelesen hat. Dann wäre noch DSA-Kartograph Steffen Brand zu nennen, mit dem ich die Landmassen besprach, die dann schließlich auch zum offiziellen DSA-Kanon wurden, ebenso wie der Name des Kontinents, Rakshazar, der mittlerweile Teil des DSA-Kanons ist. Kurzum: Die Zusammenarbeit mit Ulisses war immer positiv, unkompliziert und familiär. Vielleicht gibt es ja eine Fortsetzung, sobald unsere Fokusspielhilfe soweit ist. 😉

Was für Auswirkungen hatte der Editions-Sprung von DSA auf euer Projekt?

Gewaltige! Zum Zeitpunkt der Ankündigung standen zwei weitere regellastige Bände kurz vor der Veröffentlichung: Das „Buch der Dunklen Künste“, unser Band zu übernatürlichen Wirken (Magie, Götzen, Dämonen usw.), sowie „Riesen, Bestien, Aschekraut“, unser Bestiarium bzw. Herbarium. Abertausende Stunden Hobbyzeit waren plötzlich entwertet, als es hieß, dass Ulisses keine Produkte mehr drucken würde, die mit 4.1-Regeln daherkamen. Wir bekamen damals nur noch wenige Monate Zeit, um einen (oder beide) der Bände bei Ulisses drucken zu lassen. Da unser Layouter gerade inaktiv war und die Illustrationen noch nicht vollzählig waren, scheiterte die Hauruck-Aktion an der unvorhersehbaren Deadline von DSA 4.1.

Damals sprangen enorm viele Projektler ab, jedoch nicht allein aus Frust über DSA5: Der Wechsel hatte unser Projekt in einer kritischen Lebensphase getroffen, in der wir alle zwischen Anfang und Ende 30 waren; geheiratet und teilweise Kinder bekommen hatten. Rakshazar war ursprünglich eine Art Studi-Projekt; später wurde es ein berufs- und familienbegleitendes Hobby; welches größere Umwerfungen wie einen Editionswechsel nicht mehr so leicht verkraftete. Im Sommer 2014 blieben von einstmals rund 30 Aktiven am Tiefpunkt nur noch drei.

Persönlich halte ich DSA5 für einen richtigen und lange überfälligen Schritt. Eine Übergangsphase von 2 bis 3 Jahren zu Gunsten der Nebenprojekte hätte allerdings nicht geschadet. Mir wird ganz komisch, wenn ich an die über 1000 Seiten in den zwei unveröffentlichten Bänden denke, die heute vermutlich in den Regalen und auf den Festplatten der Community liegen würden, wäre DSA5 nur zwei Jährchen später erschienen.

Im vergangenen Jahr konnten wir Rakshazar glücklicherweise retten, indem wir das 10 Jahre alte „Rakshazar-Projekt“ mitsamt seines chaotischen Forums begruben und einen Tag später beim Orkenspalter unter dem neuen Namen „Abenteuer in Rakshazar“ neu gründeten. Genau genommen führt ihr dieses Interview also mit dem Nachfolgeprojekt. 😉

Eine Lösung für das Editionsproblem wurde auch gefunden: Unsere PDF-Versionen erhalten zukünftig doppelte Regelangaben und unsere Abenteuer kommen bestenfalls ganz ohne Regeln aus. Ich hatte beispielsweise im letzten Jahr das regellose Rakshazar-Abenteuer „Die Wandelnde Stadt“ veröffentlicht, das ganz gut ankam. Unsere Tharun-Kollegen sahen sich vor das selbe Problem gestellt und haben mit „Schwerter und Giganten“ ebenfalls bewiesen, dass regellose Abenteuer durchaus eine charmante und flexible Lösung sein können.

Woran arbeitet ihr aktuell?

Der Schwerpunkt liegt auf der Publikation unserer Fokusspielhilfe „Hinter dem Schwert“. Es handelt sich um eine Publikation, die sowohl Regionalbeschreibung, Abenteuerspielhilfe, Ausrüstungsbuch, Herbarium & Bestiarium in einem ist. Sämtliche Inhalte sind nicht allgemein gehalten, sondern auf eine besonders spannende Region in Rakshazar fokussiert. Eine Spielrunde erhält mit einer Fokusspielhilfe also alles, was man benötigt, um in der jeweiligen Region zu spielen.

Der Band „Hinter dem Schwert“ thematisiert mit dem Tal der Klagen die Region, die Aventurien geographisch am Nächsten ist. Hierhin hat es u.a. eine vor Generationen gestrandete Expedition der Thorwaler verschlagen. Und auch die Hinterlassenschaften der Theaterritter können hier erforscht werden. Das Tal der Klagen bietet außerdem den Vorteil, dass es nicht nur von Aventurien, sondern auch vom rakshazarischen Kernland durch Gebirge getrennt ist. Es ist daher eine ideale Spielwiese „zwischen den Welten“, in der sich sowohl aventurische als auch rakshazarische Einflüsse vermischen. Die parallel erscheinenden Begleitabenteuer sind übrigens so konzipiert, dass sie mit aventurischen Charakteren erlebt werden können.

Hinter der aktuellen Fokusspielhilfe winkt bereits die nächste Abenteueranthologie. Wir haben bereits wieder sehr viele Abenteuer und Szenarien zusammen, so dass auch zwischendurch immer wieder ABs von uns zu erwarten sind. Mein Co-Autor Roland „Dnalor“ Hofmeister ist eine 1-Mann-Abenteuerfabrik, die ständig Texte ausspuckt, bei der wir anderen kaum mit dem Lektorieren, Illustrieren und Setzen nachkommen. 😉

Wenn euer Projekt ein DSA Charakter wäre, welcher wäre er dann?

Alrik Immerdar wäre zwar rein optisch eine gute Wahl, aber wir halten es kontinentalpatriotisch, indem wir uns für unseren Rakshazarer im Exil, den guten alten Salpikon Savertin entscheiden. 😉


Wir bedanken uns für die Beantwortung der Fragen und freuen uns auf die kommenden Spielhilfen zum Riesland!

rakshazar.de

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3 Kommentare
  1. Queery sagt

    Diese 5 Fragen rubrik gefällt mir wirklich sehr gut. Es gibt so viele Fanprojekte bei denen man schnell den Überblick verliert und die es lohnt mal wieder bekannter zu machen oder einfach nur ein Update zur aktuellen Situation zu bekommen wenn man sie schon kennt. Rakshazar hab ich bislang immer links liegen gelassen, fand aber sehr spannend das Interview zu lesen und freue mich jetzt sehr auf die erwähnte Fokusspielhilfe

    1. Zorni sagt

      Schön, dass es auch mal wieder einen Kommentar außerhalb der Wege der Vereinigung gibt. 😀

      Feedback, gerade zu solchen eigenen Projekten/Artikeln, ist für uns wirklich wichtig, einfach um zu sehen wie es angenommen wird. Die Klicks sagen zwar auch ein bisschen was aus, teilen uns aber nicht wirklich die Meinung der Leser mit.

      Wir sind auch immer offen für Anregungen, wer denn als nächstes mal befragt werden soll, wenn es da Vorschläge gibt, nur zu!

      Danke & LG,
      Zorni

  2. Teferi sagt

    ” … Das „Buch der Dunklen Künste“, unser Band zu übernatürlichen Wirken (Magie, Götzen, Dämonen usw.), sowie „Riesen, Bestien, Aschekraut“, … ”

    Ich fänds echt cool, falls wieder Output aus dem – viele Jahre verschlafenen – Rieslandprojekt käme,
    das oben zitierte aber ist faktisch unwahr – und durch einen einfachen Blick ins Forum falsifizierbar, das einzige woran zu der Zeit einigermaßen ( und auch da: sehr schläfrig ) gearbeitet wurde war ( und ist wohl bis heute ) Hinter dem Schwert und die Historienaufarbeitung…

    So wie oben geschrieben hörts sich aber natürlich dramatischer an! Böses Ulisses 😀