Neuigkeiten aus der Welt des Schwarzen Auges (DSA)

5 Fragen an: Engors Dereblick

In unserer Rubrik „5 Fragen an…“ soll kleinen und großen DSA Fanprojekten und Fans die Gelegenheit gegeben werden, sich in unregelmäßigen Abständen vorzustellen.

Dieses Mal stellt sich unser Kollege Engor den 5 Fragen. Er erinnert sich, wie er anfing auf seinem Blog Engors Dereblick DSA-Werke zu rezensieren. Zu dessen 5-jährigem Jubiläum (wir berichteten) und nach inzwischen mehr als 365 Rezensionen reflektierte er vor einigen Wochen in einem eigenen Beitrag. Wir haben einige Fragen zusammengetragen, die bisher noch offen geblieben waren.

Du hast etwas zu DSA, das du im Rahmen der ‘5 Fragen an..’ vorstellen möchtest? Schreib uns an!


Wo hast Du damals mit dem Rezensieren angeknüpft und wie wichtig ist dabei das aventurische Hintergrundwissen?

Vorbilder hatte ich eigentlich keine. Ich war lange Zeit aus DSA und Aventurien raus, habe dann irgendwann im Laden wieder Lust gehabt und mir ein paar Sachen gekauft. Dann habe ich gemerkt, dass ich gut 10 Jahre Metaplot nachzuholen habe, was fast ein Jahr gedauert hat. Als ich dann wieder auf dem aktuellen Stand war, habe ich dann einfach das Bedürfnis gehabt, mich darüber auszutauschen. Und da ich beruflich häufig mit Rezensionen und Bewertungstexten zu tun habe (da aber dann für Literatur), war es naheliegend, sich daran zu versuchen.

Ich habe mich natürlich auch im Netz nach DSA-Inhalten umgeschaut und bin dabei auch auf Rezensionsseiten gestoßen, z.B. natürlich Nandurion. Da habe ich aber durchaus noch Platz für eine weitere DSA-Seite gesehen. Und dann begann die nächste Phase, in der ich mich als absoluter IT-Laie darüber schlaumachen musste, wie man so bloggt, also was man technisch beachten muss etc. Und folgend gab es noch jede Mengen Sachen zu klären: Wie soll die Seite heißen, wie kann ein Wertungssystem aussehen?

Ich gehöre ja zu der Spezies, deren geografisches Wissen über Aventurien wahrscheinlich besser ist, als das über die irdischen Verhältnisse. Wenn man damit groß geworden ist, dann hat man viele Eckpunkte an DSA-Historie und -Kultur stark verinnerlicht und möchte es auch nicht missen. Aventurien ist ein tolles Setting, das ich nach wie vor liebe und intensiv begleite. Für die Rezensionen ist es sicherlich hilfreich, sich ein wenig auszukennen. Manchmal finde ich umgekehrt aber auch durchaus einen unverstellten Blick sehr interessant. Stellenweise ist der Hintergrund zudem so detailliert geworden, dass es fast unmöglich ist, den kompletten Überblick zu behalten. Ich bin allerdings kein Freund davon, allzu intensive Fehlersuche zu betreiben und widerspruchsfreie Korrektheit über alles zu stellen. Manchmal habe ich kein Problem damit, wenn irgendein Detail aus einem alten Band nicht berücksichtigt wird, wenn es denn einer guten Geschichte dient.

Wohin hat sich Deine Arbeitsweise über die Zeit entwickelt und wie gehst Du mit für Dich schwerer zugänglichen Werken um?

Am Anfang habe ich nur Rezensionen im Sinn gehabt. Mit und mit sind dann andere Bereiche dazugekommen. Je mehr man im Thema steckt, desto mehr hat man auch das Bedürfnis, aktuelle Themen zu kommentieren, somit sind irgendwann auch Artikel dazugekommen, die momentan bewegende Fragen behandeln. Dann habe ich Schritt für Schritt meine Interessensgebiete vergrößert: Neben Aventurien sind Myranor und Tharun dazugekommen, an einem bestimmten Punkt habe ich dann auch zunehmend versucht, Fanwerk zu berücksichtigen. Und dann habe ich mich auch vor drei Jahren zum ersten Mal auf die RPC und folgend auf die Spielemesse nach Essen begeben, woraus dann wieder Messeberichte geworden sind. Und dann dachte ich mir zusätzlich eines Tages, dass ich meinen übervollen DSA-Schrank noch intensiver nutzen könnte, so sind dann die Retro-Checks dazugekommen.

Schwer zugänglich sind für mich vor allem Regelwerke, schlicht deswegen, weil Regeln nicht so interessant für mich sind, ich fand Inhalte und Geschichten immer viel wichtiger. Allerdings konnte ich Regeln spätestens mit DSA5 nicht mehr ganz ausblenden. Ganz sattelfest fühle ich mich damit nicht. Also habe ich dafür Kompromisslösungen entwickelt, z.B. durch den Verzicht auf eine Punktewertung. Aber eine Meinung dazu habe ich natürlich und die gebe ich auch gerne kund. Allerdings kann ich da auch ganz klar und realistisch einschätzen, dass es in der Hinsicht deutlich bessere Seiten gibt, auf denen man sich über die Qualität von Regelwerken informieren kann, als den Dereblick.

Welche Werke sind Dir noch besonders eindrücklich in Erinnerung und wie reifen die eigenen Rezensionen in der Rückschau?

Puh, das fällt in der Masse schwer. Natürlich hat man so seine Lieblinge: Wahnsinnigen Spaß hat es beispielsweise gemacht, sich mit tollen Abenteuern wie Friedlos oder Klingen der Nacht zu beschäftigen oder aktuell mit der Havena-Spielhilfe. Aber besonders in Erinnerung geblieben sind natürlich auch solche Bände, die bei mir eher von Anfang an Missfallen erzeugt haben. Wege der Vereinigungen ist da nach wie vor ein sehr schwieriges Produkt, auch weil die Diskussionen darüber teilweise sehr heftig waren.

Besonders schwierig finde ich aber auch solche Rezensionen, bei denen mir die Grundideen eigentlich gut gefallen, die Umsetzung aber problematisch ist. Da fällt mir beispielsweise meine allererste Rezension zu Im Schatten des Elfenbeinturms ein: viele sehr schöne Ideen, teils aber sehr sperrig realisiert. Oder wenn man merkt, dass Autoren sich irgendwann zu sehr in ihrem Stoff verloren haben, dabei in dem festen Willen eine spannende Geschichte zu inszenieren die Freiheit der Spieler aber irgendwann aus den Augen verloren haben. Da findet man dann oft Szenen, die sehr cineastisch wirken, leider aber gar keine Handlungsfreiheit mehr lassen (wobei ich gegen gut gemachtes Railroading per se nichts habe).

Ich schreibe meine Rezension meist nach der unmittelbaren Lektüre. Manchmal liegen einzelne Artikel auch ein paar Tage bis zu maximal drei Wochen auf Halde, wenn ich mehrere Sachen schnell nacheinander gelesen habe (geschieht beispielsweise zuletzt bei den großen Crowdfunding-Paketen öfter) und veröffentliche sie erst später. So oder so lese ich jeden Artikel mehrfach und veröffentliche erst, wenn ich zufrieden bin. Ab und an lese ich auch meine alten Artikel, da ist es dann oft ganz witzig, dass man viele Details schon wieder vergessen hat und der eigene Text dann neu entdeckt werden muss. Und natürlich stelle ich dann auch fest, dass ich unterschiedlich zufrieden bin. Manche Rezension würde ich heute sicher anders formulieren.

Wie ist der Stand von Rezensionen heute und künftig im Vergleich zu Abstimmungen und wie zufrieden bist Du mit Deinem Bewertungssystem?

Da mache ich mir keine Illusionen, letztlich ist Schriftlichkeit im Aussterben begriffen, andere Formate sind da seit langer Zeit im Vormarsch und werden weit mehr frequentiert, z.B. Youtube-Kanäle. Das ist ja auch nichts Schlechtes. Nur bin ich da altmodisch und lese halt lieber. Und zu meinem Glück bin ich da offenbar nicht der einzige, gerade auch in einem Nischenbereich wie DSA. Da gibt es noch viele Leute, die das geschriebene Wort immer noch sehr schätzen. Zumindest genug, dass es sich weiter lohnt, den Dereblick fortzuführen.

Abstimmungen wie im DSA-Forum oder bei DSA-Bewertungen finde ich hoch spannend, weil sie einen breiten Eindruck darüber geben, wie ein Band gesehen wird. Das sind interessante Daten, die sicherlich auch von den Machern genutzt werden. Allerdings finde ich, dass ein individueller Eindruck genauso wichtig ist, weil hier mehr als nur die Oberfläche betrachtet werden kann und dann auch die Details genannt werden, die dazu führen, ob ein Band gefällt oder nicht.

Für mich taugt mein Bewertungssystem, zumindest hat es sich zu einer Routine entwickelt. Allerdings gibt es da sicher viele Leute, die da viel ausgeklügeltere Systeme haben, die viel durchdachter und korrekter sind. Gerade beim Punktesystem sollte man sich eh nicht den Eindruck geben, dass das in irgendeiner Art und Weise objektiv sei. Letztlich geht es immer nur um subjektive Eindrücke. Ich benutze das Punktesystem vor allem, um eine gewisse Vergleichbarkeit herzustellen, viel wichtiger sind mir die konkreten Aussagen in Textform. Aber letztlich sind das nur meine eigenen Gedanken, von denen ich auch nie erwarte, dass sie von den Leserinnen und Lesern geteilt werden. Ich selbst lese Rezensionen vor allem gerne, um sie mit meinen eigenen Eindrücken abzugleichen, nicht in der Erwartung, dass sie genau meine Meinung widerspiegeln.

Welche Rolle spielen die Befindlichkeit der Autoren und der persönliche Kontakt?

Für mich ist kritische Distanz wichtig, ich möchte möglichst unbeeinflusst auf einen Band schauen können. Im Umgang mit einem Werk, das ich rezensiere, finde ich aber vor allem Respekt vor dem Autor und seiner Leistung wichtig. Was man von mir nie lesen wird, ist ein massiver Verriss, in dem ich ein Werk verspotte oder sprachlich abwerte, indem ich es als „Schrott“, „Mist“ usw. bezeichne. Das mag zwar mitunter lesenswert sein (in bestimmen medialen Bereichen ist ein guter Verriss sogar ein sehr effektives und notwendiges Mittel), halte ich aber nicht für zielführend.

Der typische DSA-Autor ist jemand, der mit Herzblut schreibt und sehr gerne die Welt mitgestalten möchte, zudem hat man nicht den Eindruck, dass man damit sonderlich reich werden kann, sondern dass die Leute meist neben ihrem Beruf Zeit aufbringen. Allein das nötig mir Respekt ab und sorgt dafür, dass ich einem Band auch in der Kritik gerecht werden will. Das bedeutet aber nicht, dass man negative Aspekte nicht klar ansprechen sollte. Nur möchte ich das im Ton immer korrekt halten. Und da habe ich bisher nur gute Erfahrungen gemacht, Autoren melden sich hin und wieder zurück, oft mit Dank für die Kritik, selbst dann, wenn ein Band mir offensichtlich nicht gefallen hat.

Danke, Engor, es ist mir und den Kollegen eine besondere Freude. Viel Erfolg weiterhin!

Zu Engors Dereblick

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