Neuigkeiten aus der Welt des Schwarzen Auges (DSA)

Crowdfunding zu DSK – Interview mit Jens Ullrich

Erfahre im Interview mit DSK-Entwickler Jens Ullrich mehr über das Crowdfunding zu DSK. Lest was Jens derzeit macht und erhaltet Einblicke ins Regelwerk.

Das Crowdfunding zu Die Schwarze Katze, kurz DSK, haben wir zum Anlass genommen, um mit Entwickler Jens Ullrich ein spannendes Interview zu führen. Hier erfährst du nicht nur, was Jens zurzeit macht, sondern erhältst tiefere Einblicke in das Regelwerk.

Nun ist das DSK Crowdfunding sogar noch ein Stück weiter und steht bei knapp 83.000 Euro. Dabei ist Die schwarze Katze erst vor zehn Tagen gestartet und somit nicht mal bei der Hälfte der Laufzeit. Das ist ein voller Erfolg und das trotz des Weges den DSK einschlägt. Lest dazu mehr im Interview.

Lange nichts von dir gehört

Hallo Jens, seitdem du dich Ende 2015 von DSA weitestgehend verabschiedet hast, ist es recht ruhig um dich geworden. Derzeit arbeitest du ja noch an deiner Promotion, ist es beim Themenbereich Motivation als Element der Spielsteuerung geblieben? Wird es darin spannende Erkenntnisse für Tischrollenspieler geben?

Hallo! Ich habe das Thema schon vor einigen Jahren geändert. Es hat mich fachlich immer mehr zurück in historische Gefilde gezogen, weshalb es letztendlich zum Thema „Von Spielteufeln und Kinderseelen. Wirkungsweisen von Spielen in Theorie und Praxis von Platon bis Huizinga“ gekommen ist. Es geht um die Vorstellung davon was Spiele bei ihren Spielern bewirken, wie man sich dies nutzbar machen kann und wie sich die Ansichten über diese beiden Punkte im Laufe der Zeit von der griechischen Klassik bis in die 1930er gewandelt haben. Das umfasst hauptsächlich Lernspiele, aber auch Glücksspiel, Militär- und Sportspiele und Propaganda. Hat nur wenig mit Rollenspiel zu tun, ist aber hochinteressant, da es bis in die heutige Pädagogik und die Haltung zu Spielen, ob analog oder digital, hineinspielt.

Hast du trotz des spannenden Promotionsthemas und der Entwicklung von Die schwarze Katze (DSK) noch andere Hobbyprojekte verfolgt? Welche möchtest du uns nicht vorenthalten?

Ich habe hauptsächlich die Möglichkeiten genutzt, die mir die Hochschule Trier geboten hat. Die Hochschule Trier ist mit rund 850 Studierenden in den Bereichen Informatik – Digitale Medien und Spiele und Intermedia Design der größte Ausbildungsstandort für Spieleentwickler in Deutschland, da findet man natürlich viele Interessierte. Entsprechend habe ich einige Seminare über Rollenspielentwicklung gehalten und 2017 einen Rollen- und Brettspiel Game Jam veranstaltet. Bei einem Game Jam finden sich Spieleentwickler und andere Interessierte zusammen, um in spontan entstehenden Teams über ein Wochenende Spiele zu entwickeln. Hierbei ist der Weg das Ziel. Es geht zwar auch darum, ein spannendes und unterhaltsames Spiel zu erstellen, aber das gemeinsame kreative Schaffen steht im Vordergrund.

Zu guter Letzt habe ich an der Hochschule noch eine Rollenspiel-AG gegründet und betreue sie ab und an.

Eine große Katzenstatue zur Verehrung der Ahnen beim Crowdfunding zu DSK.

Das Crowdfunding zu DSK – wie geht es weiter?

Das Crowdfunding zu DSK, deinem selbstentwickelten Pen & Paper Rollenspiel, steht aktuell nach gerade mal sechs Tagen bei knapp 70.000 Euro, ein voller Erfolg. Dazu erstmal herzlichen Glückwunsch! Ist deine Arbeit getan und du kannst entspannt genießen oder gestaltest du maßgeblich die weiteren Ziele und die freigeschalteten Inhalte des Crowdfundings mit? Wenn ja, darfst du uns schon ein paar Ziele und Inhalte, zu denen es konkrete Überlegungen gibt, anteasern? Welche wären das?

Vielen Dank! Ich habe heute die letzten Texte für das Regelwerk von Die Schwarze Katze zum Lektorat gegeben und nun beginnt die Arbeit an den Zusatzprodukten. Beispielsweise das Bestiarium mit allerlei zusätzlichen Kreaturen und den Regeln für Vampirkatzen, Katzenmumien oder Werhunde. Und dann steht auch noch das Kompendium an mit zusätzlichen Rassen, Professionen oder auch dem Regelsatz für Kinder. Damit sollte ich die nächsten Wochen beschäftigt sein, auch wenn schon einige Texte fertig sind.

Da ich zum spoilern neige, werde ich zu den weiteren Stretchgoals nichts sagen, außer dass noch ein paar schöne Dinge geplant sind. Besonders freue ich mich aber über die DSK-Plüschkatze, die gestern freigeschaltet wurde.

In einem der Zwischenberichte gab es schon lose Überlegungen zu weiteren erwachten Tieren aus der DSK-Welt. Habt ihr nach dem bisherigen Erfolg des Crowdfundings schon genauere Vorstellungen wie es danach weiter geht?

Ich möchte es mal so sagen: Ich kann mir sehr viel vorstellen. Aber das bedeutet nicht, dass es sich dabei um Ankündigungen für neue Produkte handelt. Ich kann mir Erweiterungen zu Hunden genauso vorstellen wie zu anderen Katzenrassen oder anderen, geeigneten Tieren, genauso wie zu anderen Städten jenseits von Havena und auch weit über Aventurien hinaus. Aber ob solche Erweiterungen produziert werden und wenn, wer sie schreiben wird, dazu steht noch nichts fest. Also, kurz gesagt: An Ideen mangelt es nicht, aber ich würde dafür noch keinen Platz unter dem Weihnachtsbaum reservieren.

Ein unkonventionelles Regelsystem für Aventurien – oder doch mehr DSA, als man denkt?

Mit der Ankündigung einer additiven 2W20-Probe und der passiven Verteidigung hast du für DSA-Verhältnisse relativ unkonventionelle Wege eingeschlagen. Gibt es weitere einschneidende Unterschiede zu DSA5? Kannst du uns ein paar kurze Einblicke ins System geben? Meinst du, es fühlt sich trotzdem nach DSA an oder soll es das gar nicht?

Das Regelsystem von DSK ist allgemein kompakter als das von DSA5. So gibt es „nur“ Fertigkeiten, aber keine Spezialisierungen, Anwendungsgebiete oder Berufsgeheimnisse. Es gibt auch nur eine Art von übernatürlichen Fähigkeiten, und zwar die Ahnengaben, die von den Ahnen der Katzen gestiftet wurden. Ob es sich im aventurischen Hintergrund um magische oder göttliche Fähigkeiten handelt, bleibt bewusst offen. So verwenden auch Ahnengaben durchgehend ein und denselben Regelsatz, wobei sie alle eine feste Wirkdauer von zwei Aktionen haben und weder spontane Modifikationen noch Regeln zum Aufrechterhalten o.ä. nötig sind. Man wendet die Ahnengabe wie eine Fertigkeit an, gibt bei Erfolg seine Ahnenenergie aus und fertig. Trotzdem bleiben viele Elemente sehr nah an DSA5. Es gibt die gleichen Eigenschaften, die am Anfang zwischen 8 und 14 liegen. Fertigkeiten sind teilweise die bekannten mit Startwerten von 0-10, die Charaktere haben immer noch LeP, Zähigkeit und Seelenkraft, und es gibt auch immer noch Vor- und Nachteile und Sonderfertigkeiten. Von daher kommt es natürlich sehr darauf an, was für einen DSA ausmacht beziehungsweise, was man braucht, damit es sich danach anfühlt. Wenn 3W20 essentiell wichtig ist für das Spielgefühl, dann wird man enttäuscht sein. Wenn man einen liebgewonnenen Kontinent aus einer neuen Perspektive neu kennenlernen möchte und noch dazu Katzen mag, ist man mit DSK sicher gut bedient.

Alles in allem klingt das nach spannenden Designansätzen, die ein schnelles und unkompliziertes System erwarten lassen. Wen siehst du mehr als Zielgruppe? Eher Storytelling-Fans oder eher Leute, die viel Wert auf ein gut durchdachtes Regelwerk legen? Was davon hättest du unter anderen Randbedingungen auch gerne bei DSA5 umgesetzt?

Ich wage mal zu behaupten, dass auch Storytelling ein gut durchdachtes Regelwerk vertragen kann, es hat dann nur andere Schwerpunkte als eher auf die Simulation der Kompetenzen von Charakteren ausgelegte Systeme. Wenn man sehr regelleicht und damit mit hohem Abstraktionsgrad und entsprechend größerer interpretatorischer Freiheit spielen möchte, kann das im Crowdfunding enthaltene Erzählregelwerk interessant sein. Es ist zwar auch für Kinder entwickelt, aber das bedeutet nicht, dass es nicht auch für Erwachsene geeignet ist. Aktuell ist angedacht dieses System auch mit einer einfachen Regelstruktur für Erzählrechte anzureichern, womit es sich für narratives Rollenspiel mit einem Schwerpunkt auf gestaltende Spieler eignet.

Was DSA5 angeht, waren der Rahmen beispielsweise durch die große Umfrage im Vorfeld klar abgesteckt. Daraus ergaben sich entsprechende Designvorgaben. Und eine war die 3W20-Probe. Diese hat durchaus ihre Vorteile, da sie sich recht breit auf verschiedene Kompetenzen des Charakters stützt, namentlich zwei bis drei Eigenschaften und ein Talent. Außerdem begrenzt sie stark extreme Ergebnisse. Das erkauft sie sich mit einem ziemlich langsamen Ablauf und schlechter stochastischer Greifbarkeit. Ich habe versucht die Vorteile dieser Probenmechanik einzufangen, ohne ihre Nachteile mitzunehmen und bin daher zur 2W20-Probe gekommen. Hierbei wird additiv gegen einen modifizierbaren Probenwert gewürfelt. Dieser bestimmt sich aus dem Mittelwert zweier Eigenschaften und der entsprechenden Fertigkeit +5. Klingt im ersten Moment auch etwas kompliziert, am Spieltisch würfelt man aber nur 2W20, zählt das Ergebnis zusammen und vergleicht es mit einem Wert, der auf dem Charakterbogen bei der Fertigkeit steht. Das beschleunigt den Spielablauf merklich, ähnlich wie die passive Parade, und ermöglicht eine durchgehende Würfelmechanik durch das ganze System hindurch.

Klingt nach dem früher mal angekündigten DSA Klassik!?

Als DSA5 angekündigt wurde, gab es die Idee für DSA Klassik – ein vereinfachtes und schnelles Regelwerk für Leute, denen das normale DSA zu umfangreich und komplex ist. Wenn ich deine Ausführungen zu den Regeln so lese, klingt es nach einem solchen System. Stammen die ersten Überlegungen eventuell sogar aus der Idee DSA Klassik? Da letzteres zurzeit nicht mehr geplant wird, kannst du dir vorstellen, dass DSK hier Abhilfe für das normale Aventurien schaffen kann?

Ich habe mit Planungen zu DSA Klassik bisher keinen Kontakt gehabt, daher kann ich dazu wenig sagen. Sicherlich kann man in den Grundlagen DSK soweit umbauen, dass sich die meisten Regelelemente von DSA5 darauf spiegeln lassen. Die Würfelmechanik verwendet ja die gleichen Grundwerte in gleichen Werteräumen. Darüber hinaus wird aber zwangsläufig einiges an Komplexität und damit an Wahlmöglichkeiten und taktischen Finessen auf der Strecke bleiben, die viele durchaus an DSA mögen, beispielsweise durch die passive Parade. Wenn man auf diese verzichten kann, dann halte ich eine Konvertierung durchaus für machbar.

Wobei an dieser Stelle auch angemerkt werden sollte, dass DSK einfacher ist, aber kein völlig simplifiziertes System. Letzteres gilt eher für das narrative System im Kompendium. DSK selbst besitzt viele Merkmale von DSA5 und ist, was Komplexität angeht, immer noch im Mittelfeld der Systeme.

Wie Jens Ullrich im Interview mitteilt, wäre er wahrscheinlich ein Firunsbärchen, wie auf dem Bild.

In der Hoffnung dir noch einen kleinen Spoiler am Rande zu entlocken, noch eine abschließende Frage. Wenn du ein DSK-Charakter wärst, welcher wärst du dann?

Von der Rasse her sicher am ehesten ein Firunsbärchen und wahrscheinlich dazu ein Hauskater. Da ich zudem zu viel nutzloses Wissen mit mir herumschleppe, wäre als Profession wahrscheinlich der Wissende eine gute Wahl. Wissenden ist in der Nacht des Erwachens neben dem nötigen Weltwissen über Sprache, Werkzeugbenutzung usw. noch ein Haufen nutzloser, aber meist recht spezifischer Informationen eingepflanzt worden, was nicht immer zu ihrem Vorteil ist. Von daher passt das sicher gut.

Danke für das Interview und weiterhin viel Erfolg mit dem Crowdfunding zu DSK.

Wir hoffen, dass ihr in unserem Interview mit DSK-Entwickler Jens Ullrich einen spannenden Einblick hinter die Kulissen erhalten habt.

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Adelheidt
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Adelheidt

Gebt diesem Herrn die Herrschaft über das DSA5-Regelwerk zurück!

Eismann
Gast

So, Endspurt! Noch 23 Stunden, dann ist das Crowdfunding durch. Ich bin sehr gespannt, wie weit es noch läuft.