Der Schelm und der Fußball-Würfel

Der folgende Artikel erschien ursprünglich auf unserem Partner-Blog Vier Helden und ein Schelm.

Die Fußball-WM in Russland neigt sich langsam dem Ende entgegen, und mit ihr auch das WM-Tippspiel von DSANews. Während wir im Vorfeld der WM redaktionsintern über mögliche Preise und Logos für das Tippspiel diskutierten, kam kurz die Idee auf, ein Fußballfeld mit einem Fußball-Würfel statt eines Fußballs als Logo zu verwenden. Das sah natürlich merkwürdig aus, und wurde direkt wieder verworfen.

WM 2018 Tippspiel
Das WM-Tippspiel-Logo

Aber bei mir blieb die Idee vom Fußball-Würfel in irgendwelchen unterbeschäftigten Synapsen hängen, und so wurde eine kurze Google-Suche zur Geometrie eines Fußballs initiiert. Und siehe da: Ein Fußball ist nichts weiter als ein abgestumpfter Ikosaeder – letzterer dürfte DSA-Fans auch unter dem gängigeren Namen W20 bekannt sein.

Wer sich einen W20 näher betrachtet, stellt fest, dass jede der zwölf Ecken an fünf Würfelseiten grenzt. Schneidet man nun jede Ecke so ab, dass das äußere Drittel jeder angrenzenden Kante gekappt wird, entstehen 12 fünfeckige Flächen. Die vorher dreieckigen W20-Seiten hingegen werden zu 20 Sechsecken. Färbt man die sechseckigen Flächen weiß und die fünfeckigen Seiten schwarz, entsteht ein typischer Fußball.

Aus einem W20 (links) wird durch Abschneiden der Ecken (Mitte) ein Fußball (rechts)

Moment mal! 20 Sechsecke und 12 Fünfecke? D.h. man kann aus einem Fußball einen W20 und einen W12 machen! Und wenn man statt der Zahlen von 1 bis 12 die Zahlen von 1 bis 6 doppelt verwendet, hat man einen geometrischen Körper, der auf den weißen Flächen ein W20 und auf den schwarzen Flächen ein W6 ist! Der perfekte Würfel für den fußballbegeisterten DSA-Fan! Endlich braucht man zum Rollenspiel-Treffen nur noch einen einzelnen Würfel mitzuschleppen, der sowohl W6 als auch W20 Würfe übernehmen kann! Die Lösung all unserer Rollenspiel-Probleme!

Na gut, so ganz optimal ist so ein Würfel natürlich nicht. Will man ihn als W20 nutzen, muss man so lange würfeln, bis keine schwarze Fläche gewürfelt wurde. Und umgekehrt muss man für einen W6-Wurf unter Umständen sehr häufig würfeln, bis eine weiße Fläche gewürfelt wird. Aber egal, es geht hier schließlich um Rollenspiel-Würfel. Und seit wann wurden Rollenspiel-Würfeln jemals nach rationalen Gesichtspunkten gekauft oder gesammelt?

Ein paar Stunden Zeichnen, Rotieren und Beschriften später hatte ich in meiner Lieblings-3D-Software SketchUp einen dreidimensionalen Fußball konstruiert und als W20 bzw. W6 beschriftet. Die Zahlen wurden als Vertiefungen eingeprägt, die Werte des W6 wie üblich als runde Mulden realisiert. Auf dem Bildschirm sah das Produkt meiner gelangweilten Synapsen schon sehr schön aus!

Erster Entwurf in SketchUp

Nun galt es, das imaginäre Konstrukt greifbare Realität werden zu lassen! Glücklicherweise nenne ich mich seit wenigen Wochen (halbwegs) glücklicher Besitzer eines 3D-Druckers, und so konnte ich einen ersten, leider nur einfarbigen Entwurf meines Würfels als ca. 6 cm durchmessenden Kunststoffklumpen realisieren. Leider waren die unteren Flächen noch nicht sehr gut zu erkennen, da die Stützstrukturen für überhängende Teile des Modells nicht sauber abgebrochen werden konnten. Aber immerhin: Das Prinzip war erkennbar. Und würfeln konnte man mit dem Klumpen auch!

Der erste klumpige 3D-Druckversuch

Also wurde schnell mein Lieblings-3D-Druckanbieter im Internet damit beauftragt, ein weiteres, präziseres Modell meines Fußball-Würfels zu fertigen. Diesmal sogar in Farbe und einer etwas handlicheren Größe. Leider erwies sich die Bestellung eines solchen zweifarbigen Objekts als nicht gerade günstig: 22 € für einen 3,3 cm durchmessenden Würfel, dazu Porto und Mehrwertsteuer für eine Bestellung aus Belgien, wodurch mich der Spaß insgesamt 34,27 € gekostet hat. Umso gespannter war ich, wie das fertige Produkt wohl werden würde.

Das fertige Produkt meiner Synapsen – der erste W6-W20-WM-Würfel!

Knappe zweieinhalb Wochen später halte ich nun stolz meinen eigenen selbstkonstruierten W6-W20-WM-Würfel in Händen. Er sieht überrascht gut und hochwertig aus, rollt aufgrund seiner Form sehr viel besser und länger als ein vergleichbarer W20, und liegt unheimlich gefällig und schwer in der Hand.

Ich habe keine Ahnung, ob ich der Erste bin, der sich einen solchen Fußball-inspirierten Rollenspiel-Würfel ausgedacht hat; im Internet habe ich jedenfalls noch kein ähnliches Modell gefunden. Natürlich ist das Ding auch nur bedingt alltagstauglich, muss doch unter Umständen sehr oft gewürfelt werden, um eine Seite der gewünschten Farbe zu erwischen. Aber das ist egal: Ich liebe meinen Fußball-Würfel, bin stolz darauf, wie gut er geworden ist, und werde meine Rollenspiel-Runde jetzt jedes Mal mit ellenlangen Fehlwürfen belästigen. Allein dafür hat sich der Aufwand gelohnt!

Falls irgendjemand jetzt das Bedürfnis verspürt, auch so einen tollen Würfel sein Eigen nennen zu können, kann man sich bald bei i.materialise direkt eine Version fertigen lassen. Aktuell ist eine Bestellung noch nicht möglich, da ich noch auf eine leicht verbesserte Version als Probeexemplar warte. Sobald diese angekommen und freigeschaltet wurde, werde ich diesen Artikel updaten. Bis dahin könnt Ihr mir gerne eine E-Mail an frerich.kai@gmail.com schreiben, um mit mir zusammen eine Sammelbestellung aufzugeben.

So, das war’s. Ich würde mich freuen, Eure Meinung zum Fußball-Würfel zu hören. Würdet Ihr sowas am Spieltisch nutzen? Ist Euch ein extra gefertigtes Unikat den hohen Preis wert? Wie wäre es mit farbigen Varianten? Oder einer W20-Zwölfgötter-Variante? Oder einem W20-Erzdämonen-Würfel (sofern Ulisses dies gestattet)? Ich bin gespannt auf Eure Ideen!

 

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3 Kommentare
  1. Zorni sagt

    Das Teil ist großartig – Gratulation zur Idee 🙂

  2. Armin sagt

    Definitiv eine coole Idee, sieht auch cool aus, aber es hakt noch an den Anwendungsmöglichkeiten. Der Würfel entscheidet ja, ob er ein Sechsseiter-Ergebnis oder ein Zwanzigseiter-Ergebnis produziert. Man könnte aus dem Modell aber auch einen ganz ‘profanen’ W35 machen… wo es dann bislang auch an Anwendungsmöglichkeiten hapert. Aber da fällt doch bestimmt jemandem was dazu ein, oder?

    1. 4Helden1Schelm sagt

      Ja, man muss den Würfel manchmal mehrfach rollen, wenn zufällig die falsche Farbe kommt. Aber dafür rollt er so schön rund und harmonisch über den Spieltisch, und ist mit seiner wertigen Art so handschmeichelnd, dass Du nie wieder einen normalen Würfel werfen möchtest!!1!!elf!

      Übrigens ist es ein W32 – aber mit ungleichverteilter Wahrscheinlichkeit bei den hexagonalen und pentagonalen Flächen!