Handgearbeitetes Boron Vademecum

Foto: Andreas Baumann

Was braucht man alles, um sich ein einzigartiges Boron Vademecum zu erschaffen? Handgeschöpftes Büttenpapier, Eisengallus Tinte und eine selbstgeschnitzte Bambusrohr-Feder sind bei Weitem nicht alles.

Auf Facebook hat Andreas Baumann gepostet, wie er sein Unikat erschaffen hat. Mit viel Liebe zum Detail und unzähligen Arbeitsstunden könnt ihr hier den Schaffensprozess nachvollziehen und das Ergebnis in Bildform bewundern.

Auf Nachfrage von DSAnews gab uns Andreas noch einen etwas tieferen Einblick in die Entstehung, wofür wir uns ganz herzlich bedanken möchten!

Bereits vor geraumer Zeit, habe ich mir als Magiercharakter  der Anatomischen Akademie von Vinsalt – ein Herbarium gebastelt, mit Abbildungen und Beschreibungen aller DSA-Larp Pflanzen, die es nach dem DAS-Larp-Regelwerk gibt. Nach viel positiven Feedback, habe ich mich noch einmal für einen Bekannten hingesetzt, um seinem Boron-Larp-Charakter ein Vademecum zu basteln. Ich bat ihn darum mir Texte zu schicken, die er gerne in diesem Büchlein haben wollte. Nach einigem hin und her entschieden wir uns dann für eine Einleitung, den Liturgien – vom Grad 0 bis 4 – der Beschreibung einer Begräbniszeremonie und zu guter Letzt den fünfteiligen Golgarium in Bosparano und Garethi.

Dann begann für mich die eigentliche Arbeit. Als Papier habe ich handgeschöpftes Büttenpapier besorgt und die Blätter auf eine einheitliche Größe zurecht geschnitten. Das Papier musste nun mit hauchdünnen Bleistiftlinien markiert werden, um ein einheitliches Layout entstehen zu lassen. Jetzt musste ich mich für eine Schriftart entscheiden. Bei meinem Herbarium habe ich in einer spätmittelalterlichen Briefhandschrift – der Bastarda – geschrieben. Da diese jedoch für ungeübte nicht leicht zu lesen ist, habe ich mich für den Urvater unserer heutigen Schrift entschieden – der karolingischen Minuskel. Diese wurde vom 8. bis zum 12. Jahrhundert in wechselnden Formen als Handschrift genutzt und ist auch für Laien ganz gut lesbar. Mittelalterliche Handschriften waren zu jener Zeit übersät mit zahlreichen Kürzungszeichen und Ligaturen, welche ich nur minimal einsetzte. Lediglich die  bekannten: &-, st- und er- Ligaturen wurde von mir übernommen.
Nur allein der Schreibaufwand beinhaltete an die 30 Stunden und zog sich über drei Wochen hinweg. Am Ende zeichnete ich noch ein paar Boronsymbole und Rabenbilder mit Aquarellfarben an den Anfang oder das Ende eines Themenkomplexes hinein.

Nachdem dies getan war, musste das Ganze nun in die Form eines Buches gebracht werden. Anders als bei meinem Herbarium – welches nur geleimt war – habe ich dieses Werk nun gebunden und mit Nadeln und Faden zusammengebunden. Ich nahm immer drei Blätter, legte diese übereinander, faltete sie und nähte diese dann zusammen – 12 Seiten. Wichtig hierbei war, dies schon am Anfang festzulegen, da die Seiten in einer bestimmten Reihenfolge aufeinander aufbauen. So kamen dann sechsmal zwölf Seiten zusammen. Zusammengebunden wurden dies dann geleimt und auf eine Pappe geklebt. Über Nacht in einem Schraubstock geklemmt, war es dann am folgenden Tag hart und stabil.

Als Buchmantel nutzte ich dunkles Rindsleder, welches ich zurechtschnitt und an den Enden so zusammennähte – dies erfolgte mit Hammer und Zange, da das Leder so dick war – daß die die Pappe genau hinein passte.

Der gesamte Arbeitsaufwand umfasste an die 40 Stunden und zog sich über vier Wochen. Das Ergebnis ist sehenswert und bisweilen meine beste Arbeit.

Da ich in der Vergangenheit schon für meine DSA-Gruppe diverse Urkunden selbst geschrieben habe und sogar für eine Orga auch zwei Exemplare erstellt habe, könnte ich mir vorstellen, in diesem Bereich noch weitere Werke zu schaffen, um damit die DSA-Community zu bereichern.

Andreas Baumann

Wir mögen eure DSA-Bastelarbeiten sehr! Bereits im Februar veröffentlichten wir einen Artikel mit einigen Bastelanleitungen/-berichten. Solltet ihr auch an etwas arbeiten und wollt es mit dem DSA-Universum teilen, so meldet euch gerne bei uns. Entweder über den News Einsenden Button im Menü, oder per Mail an info@dsanews.de

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

2 Kommentare
  1. FRAZ sagt

    Respekt

    1. Zorni sagt

      In der Tat – ich bin von solchen Dingen immer begeistert. Andreas arbeitet schon an etwas neuem, auch das wird sicherlich sehr lässig sein und hier seinen Platz finden 🙂