Neuigkeiten aus der Welt des Schwarzen Auges (DSA)

Was macht eigentlich… Stefan Küppers

In unserer Rubrik “Was macht eigentlich…?” konnten wir auf der Suche nach den alten Machern von DSA mit Stefan Küppers einen weiteren Autoren und ehemaligen DSA-Redakteur finden, der sich unseren Fragen gestellt hat.

Hallo Stefan, vielen Dank, dass du dich den Fragen unserer Rubrik “Was macht eigentlich…?” zur Verfügung stellst. Der Rubrikname verrät es ja bereits, daher die Frage: Was macht eigentlich Stefan Küppers heutzutage?

Mein Arbeitsschwerpunkt ist derzeit vor allem das Steampulp-Spiel Space: 1889. Ich habe diese Produktlinie für den Uhrwerk-Verlag aufgebaut und betreue sie seit ca. 7 Jahren. Wenn ich Zeit habe, schreibe ich neben dieser redaktionellen Tätigkeit meist für Space: 1889 oder Splittermond. In einer zukünftigen Mephisto wird auch ein Szenario für Wearing the Cape von mir enthalten sein und auf meiner Festplatte schlummert ein halbfertiges Achtung! Cthulhu – Abenteuer, das leider aus lizenztechnischen Gründen momentan ruht. Aber es ist nicht tot, was ewig liegt…

Dazu kommt noch diverser Kleinkram und ein paar größere Projekte, über die ich aber jetzt noch nichts erzählen möchte. Ansonsten bin ich sehr in meinem „Real-Life-Job“ beansprucht und möchte Zeit für meine Familie haben, was mir nicht mehr soviel Zeit für die Schreiberei lässt, wie früher.

Wie bist du zu Space: 1889 gekommen? Hast du Jules Verne gelesen?

Grundregelwerk Space: 1889
Grundregelwerk Space: 1889

Na klar! Jules Vernes Geschichten haben mich schon immer inspiriert – sei es nun im Buch, Film oder Comic. Ich mag es, dass sich die Ereignisse in Vernes Geschichten (meist) „realistisch“ anfühlen: Ich fange bei seinen Erzählungen nicht an zu grübeln, ob ein wandelndes „Dampfhaus“ oder die „Nautilus“ wirklich funktionieren könnten, und Vernes Geschichten waren für mich immer der ideale Mix aus Abenteuer und Science-Fiction. Ähnlich ging es mir mit Space: 1889: Die Welt fühlt sich „echt“ an, es ist keine übertriebene dystopische Steampunkfantasywelt, o.ä. Space gefiel mir schon immer deshalb, weil es zeigt, wie die Welt sich entwickelt hätte, wenn es wirklich einen Äther, Flugholz und anderes gegeben hätte. Allerdings muss man auch ein paar Gesetze der Physik ignorieren, aber das muss man heutzutage auch bei Jules Verne.

Als Patric Götz für den Uhrwerk-Verlag die deutsche Ausgabe von Space: 1889 plante, war ich als Autor direkt an Bord, da er wusste, dass ich das Setting liebe. Als dann noch klar wurde, dass die Reihe einen Chefredakteur braucht, der sich um diverse Dinge kümmert, habe ich mich angeboten und bin somit „aufgestiegen.“

Machst du die Redaktionsarbeit bei Space: 1889 hauptberuflich?

Nein: Man kann leider nicht davon leben, sich hauptberuflich nur um ein Rollenspielsystem zu kümmern, bzw. man kann nicht von der Arbeit an und für Rollenspiele leben, wenn man nicht bei einem Verlag angestellt ist.

Ich mache die Arbeit lieber als Ausgleich zum normalen Berufsalltag „nach Feierabend“, und selbst bei Space: 1889 gibt es so viel zu tun, dass ich mir die Arbeit inzwischen mit Dominic Hladek teile.

Wie unterscheidet sich ein Steampunk-Setting im Rollenspiel von klassischer Fantasy? Spielt es sich anders? Was erleben die Spieler dort für Abenteuer?

Ich empfinde Space: 1889 nicht als „steampunkig“, da dort das oft mit dem „Steampunk“ verbundene Dystopische und Verrückte fehlt. Wenn man ein Etikett vergeben möchte, dann den „Steampulp“ – wobei ich es eher in der Tradition Vernes sehe, der (meist) „realistische“ Zukunftsszenarien anbieten wollte, und eher „unpulpig“ war. Aber Space hat ja auch seine Wurzeln in den Geschichten von Wells, Doyle, Haggard, Brackett und Burroughs, und da ist gerade bei den Letztgenannten ein Pulpanteil vorhanden.

Der größte Unterschied zur Fantasy ist das Fehlen von Übernatürlichem: Es gibt keine Geister, Dämonen, Magie, etc. – und auch kein dem entsprechendes Ätheräquivalent, wie es oft bei Steampunk der Fall ist. Bei Space: 1889 sorgen stattdessen der Kontakt mit fremden exotischen Kulturen und Spezies sowie außerirdische Artefakte für den gelegentlichen „sense of wonder“. Man kann alle Abenteuer erleben, die man auch in anderen Spiel-Systemen erleben kann: Schatzsuchen, Verschwörungen, Forschungsreisen, kulturelle, religiöse und militärische Konflikte, etc. Ein Schwerpunkt der Abenteuer liegt auf der Erforschung der Erde und des Sonnensystems – ermöglicht durch den von Edison entwickelten Ätherantrieb. Aber auch die Folgen und Konsequenzen von (neuen) Technologien sind ein wiederkehrendes Thema, dass man in der Fantasy nicht findet. Die Charaktere sind in Fantasy-Settings meist freier in ihren Handlungsweisen und nicht so in gesellschaftliche Konventionen eingezwängt wie die in einem viktorianisch-wilhelminischen Setting.

Haben neben Fantasy-Rollenspielen andere Genres in Deutschland eine Chance? Wie gefragt ist Steampunk in Deutschland und wie läuft Space: 1889?

Alles außer Fantasy-Rollenspielen führt nur ein Nischendasein, manches wie Star Wars ist aufgrund des Namens bekannter, und wo Cthulhu draufsteht, ist zumindest garantiert, dass sich eine Produktlinie trägt. Kleinere und ungewöhnlichere Spielwelten wie die von Space: 1889 haben ihre Liebhaber, sind aber bei weitem nicht so erfolgreich wie Fantasy-Linien. Da sich für Space: 1889 genug Liebhaber gefunden hat, ist auch weiterhin mit Ausflügen in das Ätherversum zu rechnen. 😊

Laut Wiki Aventurica warst du almadanischer Baron im Briefspiel. Wie bist du dazu gekommen? Wie hat das Briefspiel DSA beeinflusst?

Es gab im Aventurischen Boten eine „Lehnsvergabe“, für die man eine Art Bewerbung schreiben sollte. Da mein eingereichter Charakter ein Moha war, der nicht lesen und schreiben konnte, hat er eine Art Comic mit seinen Heldentaten gezeichnet – aus der Orklandtrilogie. Offensichtlich reichte das aus, um unter Kaiser Hal belehnt zu werden 😉

Das Briefspiel hat DSA stark beeinflusst: Viele Spieler haben sich gemeinsam Gedanken zu ihren Ländern und Provinzen gemacht und liebevoll Aventurien ausgestaltet. Dies haben sie in Textform getan oder indem sie Karten gezeichnet haben, Urkunden erstellten, LARPs organisierten, Brettspiele erfanden, aventurische Promis verkörperten, und sogar Kasperletheater aufführten. Manche dieser aktiven Spieler sind zu Autoren geworden, die auch „offizielle“ Werke geschrieben und somit die Welt des Schwarzen Auges ausgestaltet haben.

Du warst Mitglied in der DSA-Redaktion. Kannst du uns einen Einblick in die damalige Redaktions-Arbeit gewähren? Wie schwierig war es damals die unterschiedlichen Vorstellungen von DSA unter einen Hut zu bringen?

Es war schwierig, alle Vorstellungen unter einen Hut zu bekommen – oder überhaupt zu vermitteln, dass dies notwendig ist. Wie gut und diplomatisch das gelang, hing immer von den beteiligten Personen ab.

Die Aufgabe der Redaktion war die Koordinierung und Entwicklung der Produkte für den Verlag, bzw. der ihnen zugrunde liegenden Spielwelt. Ein Großteil der Redaktionsarbeit entstand durch die Koordinierung verschiedener Autoren und Publikationen. Dabei war auch die Nachwuchs- und Autorenförderung ein wichtiges Thema, denn gute Autoren waren immer gesucht.

Efferds Wogen
Efferds Wogen

Die Entwicklung der Spielwelt fand auf vielen Ebenen statt: durch diverse Autoren im Aventurischen Boten, in Spielhilfen und Abenteuern, und natürlich im Briefspiel, dass lange Zeit der Kern der aktivsten Autorenschaft war. All dies zu koordinieren und dabei die Spielwelt konsistent zu halten, war m.E. der aufwändigste Teil der Redaktionsarbeit. Spannend war natürlich auch die Weiterentwicklung von Aventurien, wo es immer wieder Dinge gab, die sich (z.B. aus dramaturgischen Gründen) verändern sollten, oder wo einmal angestoßene Entwicklungen fortgeführt oder abgeschlossen werden mussten. Dabei war vieles zu beachten: Spielbarkeit der aventurischen Regionen, Vorbereitung für Abenteuer und Kampagnen, Verankerung von Themen in den Köpfen von Lesern und Spielleitern, Vermeidung doppelter Themen in zeitnah erscheinenden Publikationen, Anzahl der „nicht beendeten Fäden“, etc.

Je nach Redakteur (und Chefredaktion) hat man dabei verschiedene Schwerpunkte gesetzt und alleine aus Zeitgründen konnte nicht immer jeder Redakteur das gleiche (hohe) Zeitvolumen einbringen um diese (unbezahlte) Tätigkeit auszuüben, so dass wir uns auch immer wieder gegenseitig ergänzen mussten, und fast jeder einen Stamm von Autoren und Spezialisten außerhalb der Redaktion hatte, der ihm zugearbeitet und mitgeholfen hat.

Wie groß war dein Einfluss auf die 4te Edition an der du mitgewirkt hast? Was war deine liebste und deine meist gehasste DSA4-Regel?

Ich war nicht am Regelbau beteiligt und habe mich nur an Hintergrundtexten beteiligt. Meine Lieblingsregel war die regeltechnische Erlaubnis, dass Magie- und Karmalbegabung in einer Person möglich ist. Eine meistgehasste Regel habe ich nicht, es gab mir zu viele Sonder- und Ausnahmeregeln, die ich in der Gesamtmenge zu unübersichtlich fand.

Es gab rückblickend doch einige Kritik an der Drachenchronik, welche eines deiner größten Projekte bei DSA war. Was ist aus deiner Sicht besonders gelungen an der Kampagne und was hat weniger gut funktioniert?

Drachenchronik - Drachenerbe
Drachenchronik – Drachenerbe

Ich glaube, dass wir eine epische Geschichte erzählt haben, bei der die Charaktere nicht nur Zuschauer, sondern auch Teilhaber waren. Wir haben gezeigt, dass selbst im Angesicht von Drachen aventurische Helden Geschichte schreiben können!

Weniger gut gelungen ist die Koordination der meisten Autoren und ihrer Handlungsbögen untereinander. Man hätte mehr NSCs und eventuell Schauplätze mehrfach verwenden können. Heute würde ich manches anders machen – wenn es die Begleitumstände zulassen würden, denn auch damals war manches anders geplant, als es letztendlich passieren musste.

Drachenchronik - Drachenschatten
Drachenchronik – Drachenschatten

Würdest du die Drachenchronik heute immer noch so schreiben oder würdest du Dinge daran verändern?

Ich würde sie heute nicht mehr redaktionell betreuen. Die Ursprungsidee für den Hintergrund zur „Drachenkampagne“ war eigentlich etwas ganz anderes: In „meiner“ (und Peter Diehns) Drachenkampagne hätte es keinen Pyrdacor und vermutlich auch keine Pardona gegeben. Es wäre eine komplett andere Geschichte geworden, bei der ein anderer Alter Drache der Drahtzieher gewesen wäre. Durch die redaktionellen Änderungswünsche an der Kampagne hat sie sich letztendlich sehr weit von dem entfernt, dass ich ursprünglich machen wollte und heute würde ich nicht mehr soviel Zeit und Nerven in ein Projekt stecken, das nicht „meines“ ist. Dazu kommt, dass ich so ein Kampagnenprojekt erst angehen würde, wenn von vornherein die Autoren feststehen und willens sind, sich alle untereinander auszutauschen. Bei der aktuellen Space: 1889 Kampagne „Phaetons Erbe“ gab es nur drei Autoren (Dominic Hladek, Bjorn Beckert und mich), was die Koordination deutlich erleichterte.

Verfolgst du die aktuelle Entwicklung von DSA noch? Was hältst du als “Bewahrer der Vergangenheit” von den aktuellen Geschehnissen und Umbrüchen in Aventurien? Oder hast du das Interesse an DSA verloren?

Ich habe mich nie als Bewahrer der Vergangenheit gesehen, sondern als Bewahrer einer konsistenten und widerspruchsfreien Welt. Allerdings wollte ich auch nie Veränderung nur um der Veränderung willen. Eine Weiterentwicklung der Welt kann auch im Kleinen geschehen und man sollte nicht fortwährend ganze Regionen umkrempeln.

Der Rausschmiss der externen DSA-Redaktion war für mich ein Schock: Ich hatte mehr als anderthalb Jahrzehnte das Spiel aktiv mit gestaltet. Es war ein Teil meines Lebens und in den letzten Jahren gab es wohl niemand der mehr an und für DSA gemacht hat, als mich. Dann erwartet man als „Dank“ mehr als eine E-Mail, in der man als Teil einer auflösenswerten verkrusteten Struktur angesehen wird. Dies und einige andere unschöne Dinge, die nach dem Rauswurf geschehen sind, haben mich sehr verletzt, so dass ich mich von Ulisses und Aventurien abgewandt habe. Ich konnte es auch nicht gutheißen, wie man mit manchem mühsam aufgebauten Konzept umgegangen ist, und dies einfach bewusst und respektlos über den Haufen geworfen hat.

Seit 2015 gibt es die 5. Regeledition von DSA. Hast du diese schon mal gespielt?

Nein, derzeit spiele ich nur in Myranor, und dort bleibt mir nur DSA 4.x. Ich hätte aber auch keine Lust, mich in eine neue DSA-Version einzuarbeiten.

Du hast auch an Tharun und Myranor mitgearbeitet. Wie hat sich die Arbeit daran von Aventurien unterschieden?

Myranor - Das Güldenland
Myranor – Das Güldenland

Am Anfang stand immer die Überlegung: Was macht Tharun, Myranor (und auch Uthuria, auch dort war ich Teil des ursprünglichen Planungsteams) besonders: Was ist an dem Setting anders und wie bereichert es den derischen Kosmos und den Spielraum aventurischer Charaktere? Mir war vor allem wichtig: Was ist bereits publiziert und wie passt das alles zusammen? Wie überraschen wir Spieler und Leser mit neuen Settings und Ideen?

Für uns Autoren und Redakteure war es schön, auf einer relativ weißen Wand etwas Neues gestalten zu können, unbeschwert von vielen anderen Publikationen. Insofern ging der Publikation der anderen Kontinente (und Tharuns) eine lange Konzeptphase voraus, in der die wichtigsten Meilensteine der jeweiligen Spielwelt festgehalten wurden. Bei Uthuria hat man sich dann leider später dagegen entschieden Konzepte erfahrener Autoren zu übernehmen, die dafür gesorgt hätten, dass es vielmehr „Aha-Momente“ aventurischer Charaktere gegeben hätte, und damit eine bessere Anbindung an Aventurien. Was daraus geworden ist, lässt sich nachlesen.

Wie bist du mit der Entwicklung von Myranor seit der ersten Box zufrieden?

Sehr! Myranor hat sich zu einer großartigen Ergänzung der Spielwelt Dere entwickelt. Auch wenn es mit der Vielfalt der intelligenten Rassen m.E. etwas übertrieben wurde, so ist der Kontinent eine großartige abenteuerliche Spielweise, die sich aber auch hervorragend mit dem Rest der Welt verträgt. Und die Illus sind auch besser geworden. 😊

Hast du vor der Neuveröffentlichung von Tharun in diesem DSA-Setting auch gespielt?

Ja, aber leider nur sehr kurz, da die Spielrunde die Lust am Setting verloren hatte.

Letztes Jahr ist die Lizenz zu DSA-Myranor und DSA-Tharun vom Uhrwerk-Verlag zurück an Ulisses Spiele gegangen. Bisher ist zur weiteren Zukunft der Reihen leider noch keine Planung bekannt gegeben worden.

Wie siehst du die Zukunft von Myranor und Tharun bei Ulisses Spiele?

Tharun - Die Welt der Schwertmeister
Tharun – Die Welt der Schwertmeister

Zumindest für Tharun sehe ich keine Zukunft. Ich hatte erwartet, dass der Lizenzgeber mit den verantwortlichen Redakteuren (Arne, Marcus und mir) in Kontakt tritt, nachdem er die Lizenz wieder zurückgenommen hat. Da dies nicht geschehen ist, gehe ich nicht davon aus, dass es ein Interesse gibt, die Produktlinie Tharun weiterzuführen. Zudem hat Ulisses sich bemüht, uns bei der Erstellung der Spielhilfe möglichst viel zu verbauen; wir mussten selbst offizielle Quellen und Setzungen verleugnen und wenn es nach Ulisses gegangen wäre, hätte es in den Tharun-Spielhilfen keine Bezüge zu Aventurien gegeben. Das zeigt auch, dass man nicht wirklich die Bedeutung des tharunischen Kosmos verstanden hat.

Dennoch hoffe ich auf eine Fortführung von Tharun. Auch bei Myranor hoffe ich auf eine Zukunft, auch wenn die Signale zur Fortführung dort auch sehr verhalten sind.

Neben Aventurien kann man mittlerweile als Spieler auch die Dere-Kontinente Myranor, Uthuria und das Riesland erkunden und der Welt Tharun einen Besuch erstatten. Wie wichtig findest du es, dass es mehrere DSA-Kontinente und Globulen gibt, die man bespielen kann?

Enorm wichtig! Für die Spieler und Spielleiter gibt es die Möglichkeit, ihre Welt weiter zu entdecken, neue Herausforderungen für Helden zu erschaffen und eine lebendige und durchdachte Welt zu präsentieren. Für den Autor (und den Verlag) bieten sie weitere Möglichkeiten, die Welt sinnvoll auszugestalten und Produkte zu generieren. Sicherlich sind Ausflüge in die fernen Ecken der Welt oder des Kosmos nur bedingt tauglich für Glyndhavener Bernsteinsammler und Koscher Barone, aber selbst diese kann man mit den geeigneten Motivationen dorthin bringen – und kulturelle Konflikte, Erstkontakte mit fremden Wesen und mysteriösen Relikten alter Kulturen können ihnen Spaß im Spiel bereiten. Und genau reizvoll wie es ist, einen Aventurier in die Ferne zu senden, kann es sein, einen Bewohner Myranors zu spielen, oder einen Tharuner, der in eine Gesellschaftsstruktur eingebunden ist, die krasser ist, als die aller myranischen und aventurischen Kulturen.

Es gibt aventurische Rätsel, deren Antwort im „Güldenland“ und in Uthuria zu finden sind. Ebenso wird man in Tharun Dinge über derische Zusammenhänge erfahren, die kein myranischer und aventurischer Gelehrter weiß. Und vermutlich wird kein myranischer Gelehrter wissen, dass es der zweite Drachenkrieg war, der in Myranor eine Katastrophe auslöste. Wenn all diese epischen Zusammenhänge und Verbindungen vernünftig aufgebaut, verknüpft und präsentiert werden, kann eine Spielwelt enorm davon leben.

Was findest du wichtiger für Aventurien: U-Boote oder Zeppeline?

Zeppeline; die sind mit aventurischer Technik auch eher möglich und vielfacher einzusetzen.

Wenn Stefan Küppers ein DSA-Charakter wäre, welcher wäre er dann?

Ein Ilarist, immer auf der Suche nach den kosmologischen Hintergründen und Ursprüngen – und bestrebt, diese weiterzugeben!

Vielen Dank, dass du dir die Zeit für unsere Fragen genommen hast.

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Tau
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Tau
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Ich liebe diese Rubrik. Es ist einfach schön immer von der alten Garde (wenn man sie dem so nennen kann) zu hören, wie es war und was sie jetzt treiben.
Ich danke sowohl dem Interviewer als auch Stefan Küppers für die kritischen Fragen und ehrlichen Antworten.

Macht weiter so mit der Reihe! Thumps up

Ellen
Gast
Ellen

Die Fragen sind ja wohl eher kritisch gegenüber Ulisses als gegenüber Stefan, der da keine Aktien mehr drin hat.

Raul Ehrwald
DSAnews.de

Uns geht es in erster Linie darum, Fragen zu stellen, die für uns und vermutlich auch einige Leser interessante Einsichten liefern könnten. Dass diese eventuell mal mehr in die eine oder andere Richtung kritisch sein können, lässt sich da nicht vermeiden. Am Ende sollte jeder Leser für sich entscheiden, wie er das für sich einordnet.

Ellen
Gast
Ellen

Ich wollte nur hervorheben, gegen wen die Fragen kritisch bzw. unkritisch sind, weil Tau es so abfeiert.
Ich ordne es ein, dass ihr Stefan eine Plattform gegeben habt seinen Groll auszubreiten und bald jede Frage so zu beantworten, dass sie Ulisses im schlechtest möglichen Licht erscheinen lässt. Ich denk so einseitig wird die Situation nicht gewesen sein.

karli
Gast

Die Entsorgung der bisherigen DSA-Macher im Jahre 2011 ist im Netz vielfältig dokumentiert, sodass ,man nicht ins Blaue spekulieren muss.

Fendetta
Mitglied
Fendetta

Da ich die Diskussionen von damals nicht genau kenne (und auch nicht die ganzen DSA-Macher von früher), möchte ich dazu auch nichts sagen. Allerdings muss ich Ellen schon zustimmen. Ich finde nicht mal Taus Beitrag verwerflich, aber der Artikel liest sich schon ziemlich befremdlich und unprofessionell. Ich meine, die Erwartungshaltung einzunehmen, dass sich der Verlag wieder nach der Rücknahme der Lizenz meldet, wenn man offenbar im Schlechten auseinandergegangen ist … ich weiß nicht.

Karli
Gast
Karli

Tharun wurde weder bei Ulisses erfunden noch weiterentwickelt. Es geht hier um Knowhow, das sich eben bei den erwähnten (und deines Erachtens unprofessionell handelnden) Personen befand. Wenn man meint, darauf verzichten zu können …

Ellen
Gast
Ellen

Wenn Stefan gerne an Tharun oder sonst einem Projekt mit Ulisses hätte arbeiten wollen, würde er dieses Interview sicherlich nicht so geben. Vielleicht wäre er gerne gefragt worden um ablehnen zu können?
Oder er will was auch immer mal für ein Reboot von Tharun kommt, direkt vergiften.

Karli
Gast
Karli

Du scheinst Stefan wirklich nicht zu mögen, dabei hat er eine ganze Menge für DSA geschrieben.

Ellen
Gast
Ellen

Ich habe seine Arbeit für DSA, vor Tharun, eigentlich geschätzt. Aber so richtig einen Eindruck habe ich erst in diesem Interview gewonnen. Da hat er halt gesagt was er gesagt hat und bei mir nicht direkt einen sympathischen Eindruck hinterlassen, das ist richtig.
Aber ich finde es auch angebracht bei einem Text zu hinterfragen, warum der interviewte seine Antworten auf welche Weise gibt.

Fendetta
Mitglied
Fendetta

Einige der Aussagen wie “und in den letzten Jahren gab es wohl niemand der mehr an und für DSA gemacht hat, als mich.” klingen ziemlich überheblich. So weit ich mich erinnere gab es durchaus auch schon damals festangestellte Redakteure wie Thomas Römer, die sehr viel Zeit in DSA gesteckt haben.
Ich bin jedenfalls gespannt, ob Ulisses Spiele Tharun noch mal belebt. Wenn ja, dann sollten sie das Setting aber grundlegend nochmal überdenken. Die Uhrwerk-Version mag in der Tradition der alten Version stehen, aber dem Setting hat das mMn eher geschadet als genutzt. Und vielleicht ist es wirklich besser, wenn man einen anderen Redakteur heranzieht, der Tharun moderner gestaltet. Vielleicht mal eine Frau oder zumindest jemand, der sich des Problems bewusst ist und es nicht mit einer halben Seite von Erklärungen probiert, warum die unterdrückten Tharunerinnen spannende Heldinnen abgeben …

Tharex
Mitglied
Tharex

Nochmal ganz klar gesagt, es war nicht ein Redakteur sondern ein Team von drei und eine ganze Reihe von Autoren drum herum und die Texte wurden von Ulisses abgenommen. (und wenn schon in diesem Team leider keine Frau dabei war – bei Ulisses mi Sicherheit).

Zweitens sind es 5 volle Seiten und nicht eine halbe!

Und da du’s ja angeblich gelesen hast: Gleich im zweiten Absatz steht als erster Satz, das es jeder Spielrunde freisteht, diese Setzung zu streichen!
Also such dir mal eine solche Runde und mach einen entsprechenden Gruppenkonsenz, wenn dir das Setting, wie du oben einräumst ansonsten ja gefällt! In meinen drei Jahrzehnten Rollenspiel(-leitung) hab ich jede Menge angepasst, getreu einer der obersten Regeln “Wenn’s den Spielspass hemmt – lass es weg”.

Fendetta
Mitglied
Fendetta

Es hat niemand bestritten, dass es mehr als nur einen Redakteur gab. Ulisses hat die Texte abgenommen, aber anscheinend war man sich zumindest nicht immer so ganz einig, was ja aus dem Interview hervorgeht. Wir können ja mal die Frauen (und Männer) in der Ulisses-Redaktion fragen, was sie von Tharun und dem darin enthaltenen Sexismus halten.
Bei der haben Seite habe ich den Kasten über die Geschlechterrollen gemeint. Das andere sind auch keine Hinweise von Autoren zum Setting, sondern Beschreibungstexte. Aber ich gebe zu, es scheint eher eine Dreiviertelseite zu sein.

Das Argument mit “du kannst änder, was du willst” ist richtig, aber wenn man alles ändern kann, wird ein Setting halt beliebig. Wozu brauche ich Tharun? Kann doch mein eigenes Setting aufbauen? Ja, kann ich, aber ich bezahle als Kundin Geld dafpr, dass Autoren mir diese Arbeit abnehmen. Und für dieses Geld hätte ich gerne etwas, was mir gefällt. Gefällt mir aber nicht, obwohl ich das grundlegende Feeling mag. Deswegen äußere ich mich, dass das bitte bei einer neuen Version geändert wird, um mich als Kundin zu gewinnen.

Tharex
Mitglied
Tharex

Aha, ist es jetzt so weit, dass mutwillig falsch verstanden wird?
Wo habe ich gesagt du sollst beliebig alles Mögliche ändern? Ich sprach von EINEM Aspekt eines Hintergrunds der dir ansonsten laut deiner eigenen Aussage gefällt. Hab ich gesagt du sollst auch noch den Stöpsel ziehen und die Ozeane leerlaufen lassen, die Zahl der Götter ändern und zwei dutzend myranische Spezies importieren? NEIN! Derart radikal wäre auch Aventurien genauso beliebig. Einen einzigen speziellen Aspekt anzupassen, um die eigene Spielfreude zu sichern, ist legitim.
Das könnte man sogar in einem epischen Einstiegsabenteuer ingame regeln, ohne gleich nach einer Überarbeitung zu rufen.

Oh ja, außerdem sind WnT S.291 bis 295 immer noch 5 ganze Seiten und durchaus voller Hinweise zur Gestaltung von weiblichen SCs und keine Beschreibung.
Glaube, wir reden von unterschiedlichen Büchern?
Wie aus dem Interview im übrigen deutlich zu entnehmen ist, bezgogen sich die Unstimmigkeiten auf den Umfang der Anbindung an Aventurien.

Karli
Gast
Karli

Einige der Aussagen wie “und in den letzten Jahren gab es wohl niemand der mehr an und für DSA gemacht hat, als mich.” klingen ziemlich überheblich.

Nein, das ist nicht überheblich, sondern entweder richtig oder falsch. Also versuch halt mal zu belegen, dass es falsch ist, wenn du daran Zweifel hast.

Fendetta
Mitglied
Fendetta

Wir können hier gerne eine Nein-Doch-Debatte führen, aber ich kann dazu nur verkürzt sagen: Deine Aussage ist korrekt und ich finde Herrn Küppers Aussage zusätzlich überheblich.

Karli
Gast
Karli

Es geht also nicht darum, ob etwas stimmt oder nicht stimmt, sondern nur darum, wie es klingt. 🙂

Fendetta
Mitglied
Fendetta

Wie etwas klingt macht auf jeden Fall einen Unterschied, ob man jemanden sympatisch findet oder nicht. Das ist erst mal unabhängig, ob die Aussage richtig oder falsch ist. Ist es denn so, dass die meiste Arbeit Herr Küppers gemacht hat?

Tharex
Mitglied
Tharex

Sehr richtig.

Fendetta
Mitglied
Fendetta

Ich habe die Redaktion von damals nicht unprofessionell genannt. Ich schrieb “aber der Artikel liest sich schon ziemlich befremdlich und unprofessionell”. Und ja, die Äußerungen im Artikel klingen für mich unprofessionell. Befremdlich finde ich den Gedanken, dass Ulisses Spiele bei Herrn Küppers nach der Lizenzrücknahme fragen soll, ob er die Reihe weiter betreut (er scheint ja nicht nut auf die Firma zu sprechen zu sein, warum sollte sie ihn fragen, warum sollte er zusagen?). Die anderen beiden Personen kenne ich nicht, deswegen kann ich mir kein Bild davon machen, ob man sie fragen sollte oder nicht. Unprofessionell finde ich halb-schmutzige Wäsche waschen in der Öffentlichkeit. Es ist halt kein guter Stil für weitere Geschäftsbeziehungen.

Tharex
Mitglied
Tharex

Nun, zumindest gehören Arne und Markus (mit ihrer 20-jährigen Tharun-Kampagne) nicht zu entsorgten Redakteuren. Es ist aber niemand gefraqgt worden.
Zum anderen wurde nach den drei Bänden nicht Däumchen gedreht – es ist bereits an weiterem Hintergrundmaterial gearbeitet worden.
Keine Nachfrage, also kein Interesse an dem Material- ergo kein Interesse Tharun wenigstens auf Sparflamme lebendig zu halten bis man selber eine Konzept hat?

Fendetta
Mitglied
Fendetta

Diese Fragen kann ich dir nicht beantworten, dazu kenne ich mich zu wenig mit diesen Personalfragen aus. Rein als Spekualtion: Vielleicht möchte man auch lieber einen Neuanfang (oder kein Material), statt das alte, sexistische Setting am Leben zu erhalten? Das könnte zumindest ein Grund sein, vielleicht lieber neue Autoren für ein neues Tharun zu finden.

Tharex
Mitglied
Tharex

Die Hintergrundbeschreibungen sind beileibe so viel mehr und vielfältiger , als der sexistische Aspekt an dem du dich hier krampfhaft festbeissst. Das wird mir zu lächerlich.

Fendetta
Mitglied
Fendetta

Niemand bestreitet, dass es Hintergrundelemente gibt, die nicht sexistisch sind. Die Götterwelt und die Rolle der Frau in Tharun (beides im Hintergrund ja nachzulesen) sind aber eben leider so ausgelegt, dass es nicht gerade Spaß macht, eine Frau zu spielen. Das ist ein Manko der Spielwelt. Und selbstverständlich beiße ich mich daran fest, es verhindert immerhin, dass ich Tharun spiele. Man hätte diesen Umstand einfach aufgeben können. Stattdessen wurde bei der Neuauflage von Tharun beim Uhrwerk Verlag daran von den Redakteuren festgehalten (ebenfalls im Hintergrundband im Abschnitt über die Rolle der Frau nachzulesen). Und das kritisieren ich auch gerne weiter, denn es ist unschön und hätte nicht sein müssen. Es war einfach das krampfhafte Festhalten an überholten Designs. Wenn du es lächerlich findest, dass dieser Punkt ein wesentlicher Bestandteil der Kritik an dem ganzen Setting ist (und nicht nur von mir), dann brauchen wir an dieser Stelle aber nicht weiterdiskutieren.

Tau
Gast
Tau

Nein, bitte nicht das Setting ändern nur weil ein Kreis mit seinem SJW-Tum nicht drauf klar kommt. Warum hat man den Anspruch dem Erfinder und den Fans die das Setting so mögen wie es ist, seinen Willen aufzwingen? Wenn es einem nicht passt, dann beschäftigt euch doch mit was anderem. Kommt ja bald “Die Schwarze Katze”. Dürfte vllt dann mehr dem Geschmack entsprechen.
Aber zwingt doch nicht dem Rest euren Willen auf.

Fendetta
Mitglied
Fendetta

Ich bestehe gar nicht darauf, dass das Setting geändert wird. Es verliert nur durch seine Art sehr viele potenzielle Kundinnen. Wenn das so gewünscht ist, bitte. Ich habe jedenfalls keine Lust, Heldinnen in einer Welt zu spielen, in der ich als niedere Lebensform angesehen werde und die einzige Göttin dazu da ist, um die Lust der anderen männlichen Göter zu befriedigen.

Yanthar
Gast
Yanthar

Tut mir Leid, da muss ich Dir widersprechen. Ulisses hat sich bis auf die Pressemeldung nicht sehr stark dazu geäußert. Wir kennen also hauptsächlich die Standpunkte der “Entsorgten” und deren Sympathisanten, die – sei es berechtigt oder nicht – stellenweise lauthals ihren Unmut kund tun.
Ich möchte und kann nicht beurteilen, was die wahren Beweggründe für Ulisses waren und inwieweit die ganzen Ausführungen der “Entsorgten” den Fakten entsprechen oder nur persönliche Wahrnehmung sind. Wir als Außenstehende wisen es nicht. Ellen muss ich allerdings in dem Ausmaß recht geben, dass dieses Interview für mich sehr einseitig ist bzw. Stefan Küppers etwas “überheblich” klingt. (Ich kenne ihn nicht und kann daher nur über den Wortlaut des Interviews urteilen.)
Allerdings frage ich mich, ob man die “Entsorgung” nach acht Jahren erneut thematisieren muss, oder ob der Interviewer bzw. Bearbeiter des Interviews solche heiklen Punkte nicht einfach weglässt.

Tharex
Mitglied
Tharex

Das alle aventurischen Bezüge bei Tharun raus mussten (was durch die erforderliche Nachbearbeitung dann auch zur Verzögerung der Veröffentlichung geführt hat) ist jedenfalls richtig. Insofern finde ich auch persönlich die neue Aussage, man hat die Lizenz zur “besseren Einbindung” zurückgeholt, sagen wir mal – irritierend.

Ellen
Gast
Ellen

Numinoru ist zumindest schon wieder prominenter aufgetaucht.
Ich wäre, persönlich, ganz froh, wenn Tharun, wie es aktuell gesetzt ist, nicht viele Berührungspunkte mit Aventurien hat.

Tau
Gast
Tau

Erstmal finde ich die Reihe perse hervorragend, da ich gerne von den alten Machern lese.
Natürlich ist da interessant was sie jetzt machen, wie ihre Meinung zur Entlassung war und ob sie sich nach wie vor noch mit dsa beschäftigen.
Wenn sowas statt gefunden hat, muss man damit leben, beide Seiten zu hören.

Zu Tharun:
Hab ich ein Problem Sexismus in Tharun? Keineswegs, das gehört zu der Welt und der Idee anscheinend.
Hab ich ein Problem mit Sexismus in der realen Welt? Ja, selbstverständlich.
Hat das was miteinander zu tun? Nein kein bißchen.

Ellen
Gast
Ellen
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Er klingt schon etwas verbittert. Es ist natürlich schade für Stefan, dass er nicht mehr mitarbeiten kann. Aber ich für meinen Teil bin froh, dass Tharun nicht zu eng mit Aventurien verknüpft wird. So sehr würde ich das Setting in seinem Sexismus nicht abfeiern.

Fendetta
Mitglied
Fendetta

Tharun ist ein sehr spezielles Setting, vermutlich ist es aufgrund des sexistischen Charakters auch gut, dass es keine größeren Verbindungen zu Aventurien gut. Mich hat es schon immer gestört, dass man dort auf einige wenige, rückständige Frauenrollen festgelegt war. Schwertmeisterinnen konnte es eigentlich nie geben, da Frauen generell unterdrückt werden. Vielleicht kann Ulisses ja mit einem Neustart, anders als die Uhrwerk-Version von Tharun, ein modernes Setting erschaffen.

Tharex
Mitglied
Tharex

Ähm, hast du das neue Material eigentlich gelesen?

Fendetta
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Fendetta

Ich habe mir die ersten beiden Bücher der neuen Tharun-Auflage zugelegt und gelesen und empfand die Spielwelt als extrem sexistisch. Angefangen bei den Göttern bis hin zur Heldenauswahl. Im Grunde konnte man nur Sklavinnen und bestensfalls Rebellinnen spielen. Das starre Gesellschaftssystem ist als Rollenspielsetting schwierig zu vermitteln, vor allem, wenn man Frauen in der Runde hat, die gerne mal eine Schwertmeisterin spielen würden. Selbst aventurische Heldinnen sind kaum spielbar (zumindest abseits der Rolle der Rebellenunterstützung). Es kann also nur besser werden.

Tharex
Mitglied
Tharex

Gegegen ein persönliches Empfinden werde ich nichts sagen, schon um hier nicht auch noch eine endlose Sexismusdebatte auszulösen. Gab’s genug.
Wenn dies deine Meinung ist, respektiere ich’s so.
(Warum meckert eigentlich nie einer über Novadis?)
Ja Tharun ist ein spezielles Setting, gehört so aber unumwunden zum Gesamtkonzept Dere dazu. Meiner Meinung nach ist in WnT ab S. 291ff genug aufgezählt um Heldinnen spielbar zu machen – einschließlich Schwertmeisterinnen in Ilshi Vailen. Alles weitere sollte als rollenspielerische Herausforderung gesehen werden und wird auch so dargelegt.

Fendetta
Mitglied
Fendetta

Das mit der rollenspielerischen Herausfoderung kann man natürlich so sehen. Für mich und viele andere Spieler*innen ist das aber mit Sicherheit nichts. Insgesamt sind die Frauenrollen stark eingeschränkt. Ja, man kann vn einem Inselreich Schwertmeisterinnen spielen. In 80 % aller übrigen Regionen Tharuns kommt man damit nicht weit. Tharun ist halt ein altes 80erJahre Setting, dass in dieser Version nochmal am Leben gehalten wurde. Es wäre besser, wenn man einfach mal einen Cut macht und das ganze Setting überdenkt. Es gibt vielleicht gute Gründe, um es wieder auf Erfolgskurs zu bringen.

Die Novadis sind zum Glück eine kleine, vergleichsweise unbedeutende Kultur in Aventurien. Und ja, die haben das gleiche Problem. Ich wette, die meisten Spielerinnen wollen keine Novadi spielen. Klar, es gibt immer Ausnahmen, aber in der Mehrheit spielt man halt nunmal nicht gerne die unterdrückte Frau.

Ellen
Gast
Ellen

Ich wundere mich eher, dass Tharun so akzeptiert wurde wie es ist. Als Ulisses Spiele Wege der Vereinigungen herausgebracht hat wurde es sehr auf mögliche “ismen” analysiert und in dem Zusammenhang auch ganz Aventurien. Tharun ist da noch sehr unkritisch weggekommen, vielleicht weil es gerade nicht von Ulisses veröffentlicht wurde. Ich denke aber, gerade unter dem Gesichtspunkt und mit dem gesteigerten Bewusstsein, kann man mit Tharun nicht genauso weiter machen.

Fendetta
Mitglied
Fendetta

Tharun ist vermutlich aus mehreren Gründen nicht aufgefallen. Es wurde nicht von Ulisses herausgebracht, sondern vom Uhrwerk Verlag, es haben vermutlich nicht so viele Leute gelesen, wie Aventurien-Material, und diejenigen, die es gelesen haben, fanden das Setting vermutlich gut. Wenn man Tharun sich genauer anschaut, ist es ein extrem sexistisch. Zwar kann man das damit begründen, dass nur das Setting sexistisch ist und man ja als Helden dagegen vorgehen kann, nicht bedacht wird aber jedoch, dass man so gut wie keinen weiblichen Charaktere sinnvoll spielen kann. Damit schließt man eine Menge Spieler*innen aus. Nicht direkt, aber indirekt. Und das hätte nicht sein müssen.

Marcus Juergens
Mitglied
Marcus Juergens

Zur Diskussion über Sexismus in Tharun möchte ich kurz Stellung nehmen, auch wenn es hier nicht primär um diese Frage ging:
Wir haben mit Ulisses ausführlich über den Sexismus-Aspekt gesprochen und eine ausführliche Überarbeitung des Settings vorgenommen. Wir haben uns allerdings dafür entschieden, einen Kernaspekt des Settings zu erhalten: Tharun ist eine von ungerechten Göttern geknechtete Welt. Darunter leiden nicht nur Frauen, sondern alle Menschen.
(Ich bin übrigens der Meinung, dass Männer auch unter der patriarchalen Ordnung der realen Welt leiden, aber das ist den meisten Männern nicht klar.)

Unterdrückung und Gewalt, Niedertracht und Egoismus sind die wesentlichen Kräfte der tharunischen Weltordnung. Ob die Götter dafür verantwortlich sind, oder die Priester dieser Götter und die Adligen, die ihnen diese Macht einräumen, sei dahingestellt.

Wir haben mit unserem Disclaimer in “Die Welt der Schwertmeister” versucht, diesen Standpunkt und die Intention deutlich zu machen. Das Setting und seine Gestaltung ist eine politische Entscheidung gewesen, die aus einer explizit profeministischen Haltung gespeist wurde. Es geht uns darum, Unterdrückungsverhältnisse (nicht nur Sexismus) am Spieltisch zu thematisieren, statt so zu tun, als wäre ein herrschaftsfreies Spiel möglich und unreflektiert -ismen zu reproduzieren. Das muss niemand mögen und ich habe natürlich Verständnis dafür, wenn ein_e Spieler_in darauf keine Lust hat.

Ich halte die postulierte Geschlechtergerechtigkeit in Aventurien für das größte Verdienst des Schwarzen Auges. Und auch wenn das widersprüchlich erscheint, war es in diesem Sinne, dass wir uns entschlossen haben, das Setting zwar vielfältiger zu gestalten und weiblichen Charakteren darin viele Optionen zu geben (dazu an anderer Stelle, z. B. in Wege nach Tharun mehr), aber es grundsätzlich nicht zu entschärfen.

Fendetta
Mitglied
Fendetta

Danke, dass du dich als einer der Redakteure meldest und sachlich bleibst. Ihr habt also das Setting also bewusst so belassen. War euch bewusst, dass ihr damit extrem viele Spielerinnen (und Spielern) abschreckt, Tharun als Setting zu nutzen? Hättet ihr das Unterdrückungsverhältnis nicht auch darstellen können, ohne das Thema Sexismus? Wäre es in einer Neuauflage jetzt nicht besser, dass zu ändern? Wie gesagt, ich glaube, viele Spielerinnen könnten sich für das Setting ohne Sexismus begeistern. Aktuell wirkt es jedoch absolut abschreckend, da die Frauenrollen, auch wenn ein paar Möglichkeiten genannt sind, sehr einschränkend sind.

Vibarts Voice
Gast
Vibarts Voice

Ich denke, es kann bei einem Kunstprodukt (und Spiele fallen eben auch unter diese Kategorie) nicht darum gehen, niemand abzuschrecken. Es kann nur darum gehen, als Produzierende*r eine Entscheidung zu treffen, und sich dann der Diskussion über sein Werk zu stellen. Marcus tut das mit seinem Klarnamen und hat damit zunächst einmal allergrößten Respekt verdient. Im WdV zum Beispiel finde ich zunächst nur”lustige” Pornopseudonyme statt einem/einer Autor*Innenkollektiv.

Und deshalb ist der Sexismus Tharuns, der Sexismus des Orklandes (nicht, dass ich jemals einen Ork spielen möchte, da bin ich eher abgeschreckt), der Sexismus in Andergast für mich als Spieler integrierbar, weil er innerhalb eines fiktiven Narrativs einen Reflex auf die wahrgenommene Realität bildet, diese aber in einem Schöpfungsprozess spiegelt, verfremdet und behandelbar macht. Wie das andere Künste eben auch machen und dürfen. WdV hingegen schöpft nicht sondern reproduziert – kaukasische Männerphantasien aus dem hier und jetzt. Tharun ist für mich als erstes eine Weltfiktion, wie jede fiktive Welt kann man sie mögen, nicht leiden, konsumieren, und/oder angewidert liegen lassen. Denn: nicht jeder muss für meine Bedürfnisse produzieren. WdV hingegen ist für mich im Kern ein OT-Werk – eben im Ursprung ein völlig irdischer Aprilscherz der auf “Sex sells” setzt, und genau den Sex der weißen Rollenspieler-Mehrheit bedienen musste, um so niederschmetternd kommerziell erfolgreich zu sein, wie es wurde. Ich sehe dann Tharun dann doch eher als recht exotisches Nischenprodukt, das nie auf dick Kohle machen ausgelegt war und deshalb auch speziell sein durfte bzw. nicht jedermanns Geschmack.

Jedenfalls bestehen bei diesen beiden *Ismen für mich kategoriale Unterschiede in meiner persönlichen Rezeption.

Und damit es nicht völlig sachfremd wird: vielen Dank an Stefan Küppers und die News für das schöne Interviews. Ich lese die Gespräche mit der “alten Garde” hier immer sehr gerne.

Marcus Juergens
Mitglied
Marcus Juergens

Die Frage, ob uns das bewusst war, präsupponiert, dass es so ist, dass Tharun Frauen und Männer aufgrund des Sexismus in der tharunischen Gesellschaft abschreckt. Ob das so ist, kann ich aber nicht wirklich einschätzen. Wir haben uns bemüht, transparent zu machen, warum wir das Setting so strukturiert haben und wir haben es meiner Meinung nach nicht einfach so belassen, sondern umfangreich bearbeitet.

Tharun war schon in der 1980er Version ein seltsamer Entwurf, der die Spieler_innen zu Empärung und Widerspruch aninmieren sollte und eine ingame-Rebellion starten lassen, die die Verhältnisse umwälzt.

Tharun ist nicht nur sexistisch, sondern auch klassistisch, rassistisch, feudalistisch, absolutistisch und theokratisch. Dass Sexismus ein Widerspruch ist, der auch unsere realen Beziehungen am Spieltisch durchzieht, macht es natürlich ein Stück weit schwieriger. Aber das ist auch beim Spiel in Aventurien der Fall. Trotz angeblicher Geschlechtergerechtigkeit sind allzuleicht Prostituierte weiblich, Schankpersonal Schankmaiden, die Wachen am Stadttor sind männliche Gardisten etc. Tharun zwingt dazu, diese Rollenstereotpye zu überdenken. Durch Übertreibung und Kontrastierung, wenn zum Beispiel Frauen dann doch bestimmen.

Nichtsdestoweniger bieten sich viele Schlupflöcher an.
—In Ilshi Vailen ist die Gesellschaft quasi geschlechtsblind. Ob Mann oder Frau spielt hier keine Rolle.
—In Thuara haben nur Frauen das Privileg, Magie zu benutzen.
—In Kuum organisieren Frauen die Gesellschaft nach innen und bestimmen alle internen Abläufe, so auch das Hofzeremoniell, da der Kuumjakuum tot ist, wird das Reich von einer Frau, der Kuumjacha beherrscht, die natürlich darüber nachdenkt, wie sie die Verhältnisse für einen dauerhaften Machtwechsel nutzen kann.
—In Lania sind Frauen entweder edle Damen, die höchstes Ansehen genießen oder sie sind unfruchtbar und werden dann als Kriegerinnen eingeordnet.
—Das Reich Tharun ist ohnehin ein Schmelztiegel der tharunischen Kulturen.

Es gibt also jenseits der klassischen “Frau verkleidet sich als Mann” viel Spielraum für taugliche weibliche Charakterkonzepte.

Gerade auch der Abenteuerband ‘Schwerter und Giganten’ zeigt meiner Meinung nach nochmal sehr deutlich das Potenzial dieses Settings, was das Geschlechterverhältnis angeht. Er setzt gewissermaßen das in die Praxis um, was vorher theoretisch war.

Abgesehen von der Frage, ob es mit Tharun jemals weitergeht, oder gar ein dritter Neustart gemacht wird, macht es in meinen Augen keinen Sinn, das Konzept an dieser Stelle zu verändern. Für diejenigen, die mit diesem Ansatz nichts anfangen können, gibt es zum Glück genügend Alternativen. Die Brutalität der tharunischen Gesellschaft gegenüber jedem menschlichen Hoffen ist das Alleinstellungsmerkmal des Settings und der Grund, warum wir uns an einer ingame-Revolution dieser Fantasiewelt seit 30 Jahren abarbeiten.

Tharex
Mitglied
Tharex

Danke dir für die näheren und tiefer gehenden Erläuterungen hier.

Karli
Gast
Karli
Artikelbewertung :
     

Interessant und aufschlussreich. Was will man mehr?